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März - April 2026

"Da weinte Jesus" Joh. 11,35

Wir beten für Kranke – selbstverständlich. Aber beten wir auch um Heilung und Leben für Menschen, die schon tot sind? Eigentlich nicht. Mit dem Tod ist es vorbei.

Genau an dieser Grenze handelt die Geschichte von Lazarus im Johannesevangelium. Lazarus ist an einer Krankheit gestorben. Seine Schwestern Maria und Marta sind am Boden zerstört. Freunde und Nachbarn sind gekommen, um zu trauern. Alles spricht dafür: Diese Geschichte ist zu Ende. In manchen Worten der Leute ist ein Vorwurf zu hören: Jesus hätte eher da sein müssen. Er hätte helfen können. Aber jetzt ist es zu spät. Mit dem Tod ist eine Grenze überschritten. Da kann selbst Jesus nichts mehr tun.

Und dann steht dieser eine, kurze Satz im Text: „Da weinte Jesus.“

Johannes benutzt im griechischen Urtext bei Jesus ein anderes Wort für Weinen als bei den Trauernden herum. Es fließen Tränen aus innerem aufgewühlt sein. Jesus ist tief berührt. Nicht, weil Lazarus tot ist. Sondern weil er sieht, was der Tod mit den Menschen macht. Weil der Tod für sie eine feste, unüberschreitbare Grenze ist. Weil niemand mehr mit Leben rechnet, und nicht einmal Jesus die Macht zutraut wird, doch noch etwas zu verändern. Das erschüttert ihn. Und das bringt ihn zum Weinen.
Aber Jesus bleibt dort nicht stehen. Er geht zum Grab. Der Stein wird weggerollt. Und Lazarus kommt heraus. Lebendig. Ein unglaubliches Wunder. Für alle. Die Geschichte endet nicht mit Tränen, sondern mit Leben.

Diese Erzählung ist kein Versprechen, dass sich jede schwere Situation in unserem Leben so wundersam auflösen wird. Aber sie ist eine Anfrage an unsere eigenen inneren Grenzen. Wo habe ich Gott in meinem Denken bereits verabschiedet? Wo sage ich – sicherlich unausgesprochen: Dafür ist er nicht mehr zuständig?
Vielleicht bei einer Beziehung, die endgültig zerbrochen scheint. Zu viel ist passiert, zu viel ist verletzt worden. Oder bei mir selbst, bei einer Schuld, bei einer verpassten Chance, bei einer Geschichte, die sich nicht mehr zurückdrehen lässt.
Vielleicht weint Jesus auch heute noch an genau diesen Linien – nicht aus Enttäuschung über uns, sondern weil er uns mehr Leben zutraut, als wir selbst es sehen wollen. Vertrauen beginnt genau dort, wo wir es wagen, Gott auch an den Stellen unseres Lebens noch Raum zu geben, mit denen wir innerlich schon abgeschlossen hatten.

 

09 10 Antonio Israel  Pa. Antonio Israel, Pastor in EFG Glauchau

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